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Studie zur Lebenssituation von Frauen mit Behinderung zeigt erschreckende Ergebnisse - Behindertenbeauftragter der Bundesregierung fordert Konsequenzen anlässlich des Tags gegen Gewalt an Frauen am 25. November

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Ausgabejahr 2011
Erscheinungsdatum 23.11.2011

„Die alarmierenden Ergebnisse der Studie des Bundesfamilienministeriums belegen, dass Frauen mit Behinderung weitaus häufiger Opfer von Gewalt sind als nicht behinderte Frauen. Sie müssen außerdem oft in völlig unwürdigen Verhältnissen leben“, betonte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe anlässlich des internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25. November. Die am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie zur Lebenssituation von Frauen mit Behinderung hat gezeigt, dass Frauen mit Behinderung mit 58 bis 75 Prozent fast doppelt so oft körperliche Gewalt erlebten als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Sexuelle Übergriffe seien nach den Studienergebnissen sogar zwei- bis dreimal häufiger vorgekommen. Die Studie offenbarte ebenfalls erschreckende Zustände, insbesondere in Einrichtungen. Über eine eigene Wohnung verfügten laut Studie nur 10 bis 15 % der Bewohnerinnen in Einrichtungen, einem Fünftel stehe nicht einmal ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Die Bewohnerinnen könnten oft nicht einmal bestimmen, mit wem sie zusammenwohnen. Ein Fünftel der befragten Frauen gab an, keine abschließbaren Wasch- und Toilettenräume zu haben. Die Möglichkeit einer festen Paarbeziehung und einer Familiengründung sei laut Studie in aller Regel nicht gegeben. Schwangerschaften der Bewohnerinnen würden mehrheitlich abgebrochen. „Das sind absolut unwürdige und erschreckende Zustände. Hier sind sowohl die Einrichtungen, die Aufsichtsbehörden wie auch die Kostenträger gefordert, endlich wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Bei Gewalt und sexuellen Übergriffen ist es insbesondere wichtig, die Frau sofort zu schützen und den Täter aus ihrem Umfeld zu entfernen“, betonte der Behindertenbeauftragte. Er begrüßte in diesem Zusammenhang das vom Bundesfamilienministerium geplante Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und das Projekt von „Frauenbeauftragten“ des Bundesfamilienministeriums und von den Vereinen „Weibernetz“ und „Mensch zuerst“. Im Rahmen des Projektes unterstützen Frauen mit Behinderungen Mitbewohnerinnen in Heimen oder Kolleginnen in Werkstätten, die Gewalt erlebt haben oder fürchten. Hubert Hüppe erneuerte ebenso seine Forderung nach barrierefreien Frauenhäusern, die in die Lage versetzt werden, auch Frauen mit Assistenzbedarf aufzunehmen.