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Methoden zur vorgeburtlichen Diagnostik gefährden Existenzrecht behinderter Menschen

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Ausgabejahr 2013
Erscheinungsdatum 25.02.2013

Der Inklusionsbeirat beim Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen hat ein Positionspapier zur Bioethik vorgelegt. Darin werden Präimplantationsdiagnostik und Pränataldiagnostik auf den Prüfstand gestellt. Nach Ansicht des Inklusionsbeirats tragen diese biomedizinischen Praktiken dazu bei, die Existenzberechtigung von Menschen mit Behinderung infrage zu stellen und sie zu diskriminieren. Die Praktiken seien daher schädlich im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.

Sowohl bei der Pränataldiagnostik als auch der Präimplantationsdiagnostik gehe es um die Suche nach möglichen Behinderungen, obwohl daraus keine Behandlung oder Therapie folge. In der medizinischen Praxis werde mit unterschiedlichen Methoden gezielt, umfassend und mit großem Aufwand nach möglichen Behinderungen gesucht. Paare bzw. Frauen sollten so entscheiden, ob ein behindertes Kind zur Welt komme oder nicht. Der Fachausschuss kritisiert, die neuen Entwicklungen zeigten, dass der Trend hier zur flächendeckenden Selektion gehe.

Bisherige Versuche, die pränatale Diagnostik durch gute Beratung und Aufklärung zu begrenzen, indem Paare bzw. Frauen besser aufgeklärt und gut beraten selbstbestimmt auf Diagnostik verzichten oder sich bewusst für ein behindertes Kind entscheiden, waren nicht erfolgreich, so der Inklusionsbeirat.

Das Positionspapier stellt drei Forderungen auf:

  • Der Inklusionsbeirat beim Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen setzt sich grundsätzlich für eine Reform ein, mit der das Angebot der Pränataldiagonistik auf Krankheiten beschränkt wird, die vorgeburtlich behandelt werden können oder deren Entdeckung eine Behandlung direkt nach der Geburt ermöglicht und die Präimplantationsdiagnostik verboten wird.
  • Der Inklusionsbeirat setzt sich dafür ein, dass jede öffentliche Forschungsförderung für die Weiterentwicklung von vorgeburtlichen Untersuchungsmethoden, die nicht der Gesundheit des Ungeborenen oder der schwangeren Frau dienen, unterbleibt.
  • Der Inklusionsbeirat fordert, dass der Fetozid strafrechtlich verboten wird.

Das Positionspapier zur Bioethik finden Sie hier:
Positionspapier der Staatlichen Koordinierungsstelle nach Art. 33 UN-BRK: Bioethik - Menschen mit Behinderungen - UN-BRK (PDF/427KB)

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