Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen

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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erschienen am

Jürgen Dusel spricht in die Mikrofon. Links von ihm steht ein Gedenk-Kranz. Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, bei der Gedenkveranstaltung Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde am 20. Januar 2020.
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, bei der Gedenkveranstaltung Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde am 20. Januar 2020. Quelle: Behindertenbeauftragter/Henning Schacht

Der gestrige Tag, der 27. Januar 2020, stand ganz im Zeichen des Gedenkens an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus und dessen menschenverachtender Ideologie. 75 Jahre sind seit der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vergangen. Gedacht wurde der Opfer an vier Gedenkorten in Berlin: Dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Gedenkplatte für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, dem Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen und dem Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma.

Jürgen Dusel nahm am Gedenken an allen Orten teil. Am Gedenkort für die Opfer der „Euthanasie“-Morde sagte er: „Wir haben die Verantwortung, nicht nur der Opfer zu gedenken, sondern auch zu fragen, wie Menschen zu Tätern werden konnten, die anderen so Schreckliches antaten. Unsere Aufgabe ist es auch, sie aus dem Dunklen der Geschichte, aus dem Nebel von verschweigen, vertuschen, verdrängen und verleugnen herauszuholen und sichtbar zu machen,“ so Dusel. „In Auschwitz und auch hier – in der Tiergartenstraße 4 – saßen die Täter: die geistigen Wegbereiter, die lauten Anführer, die stillen Gefolgsleute – und die unauffälligen Mitläufer. Unter ihnen waren Ärztinnen und Ärzte. Viele unter ihnen brachen den hippokratischen Eid: Aus Heilenden wurden Mordende.“ Dusel weiter: „Leider ist unsere Welt immer noch nicht frei davon, dass Menschen ungleich behandelt und diskreditiert werden. Auch 75 Jahre später wird das Wort „behindert“ von manchen als Schimpfwort benutzt. Sprache hat schon oft den Boden für Taten bereitet. Deshalb müssen wir gegen jede Herabwürdigung von Menschen ankämpfen und den Anfängen wehren. Das sind wir den Opfern schuldig,“ so der Beauftragte abschließend.
Allein der „Euthanasie“ der Nationalsozialisten, fielen circa 300.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen zum Opfer („Krankenmorde“), allein im Rahmen der sogenannten Aktion T4 in Deutschland 70.000. Über 400.000 Menschen wurden zwangssterilisiert.
Am Abend wurde das Gedenken im Kleisthaus im Dienstsitz des Behindertenbeauftragten mit einem Konzert des inklusiven A-Cappella-Ensembles Thonkunst aus Leipzig fortgesetzt. Thonkunst hatte bereits die Kranzniederlegung am Morgen musikalisch begleitet. Am Abend brachten Sie ein Repertoire, das vor allem aus geistlicher Musik und Madrigale bestand. Kombiniert wurde die Musik mit Texten aus der Marzahner Schreibwerkstatt der Mark-Twain-Bibliothek: 16 Jugendliche hatten sich bereits im Jahr 2019 auf den Weg gemacht, um Informationen und Eindrücke zum Umgang der Nationalsozialisten mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu erforschen. Daraus entstanden die eindrücklichen Texte der Schreibwerkstatt unter der Leitung von Renate Zimmermann, die an dem Abend präsentiert wurden.

In einem einleitenden Podiumsgespräch vor Konzert und Lesung sprachen Jürgen Dusel, Irit Kulzk vom „Förderkreis Gedenkort T4 e.V.“ und Renate Zimmermann über die Bedeutung von Gedenkorten und die wichtige Arbeit, das „Erinnern“ generationenübergreifend aufrecht zu erhalten. Renate Zimmermann gab Einblick in ihre Arbeit mit den Jugendlichen in der Schreibwerkstatt, die teilweise zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kamen. Dem Beauftragten und Irit Kulzk war zudem besonders wichtig, dass die Perspektive von Menschen mit Beeinträchtigungen und ihren Angehörigen beim Gedenken an die Opfer der „Euthanasie“ sowie die Opfer der Zwangssterilisation eine zentrale Rolle spielt. Moderiert wurde das Gespräch von Vanessa Marlog, Kulturreferentin beim Beauftragten. Insgesamt handelte es sich um einen Abend, der den Gästen im Kleisthaus zum Ausklang eines umfänglichen Gedenktages mit berührenden Liedern und Texten die Gelegenheit bot, ihren Gedanken nachzugehen und einen Raum zu finden, der ein individuelles Gedenken in der Gemeinschaft ermöglichte.

Die Rede des Beauftragten anlässlich des Gedenkens am 27. Januar 2020 finden Sie hinter diesem Link.

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