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Fast jeder Dritte in Deutschland hat bereits Diskriminierung erlebt

Verena Bentele: „Von einer inklusiven Gesellschaft sind wir leider noch weit entfernt.“

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Ausgabejahr 2016
Datum 19.04.2016

Heute hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ihre Studie „Diskriminierung in Deutschland“ vorgestellt. Zentrales Ergebnis: Nahezu jeder dritte Mensch in Deutschland (31,4 Prozent) hat in den vergangenen zwei Jahren eine Diskriminierung erfahren. Vergleichsweise häufig wird Benachteiligung aufgrund des Alters (14,8 Prozent) erlebt, gefolgt von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (9,2 Prozent). Besonders häufig sind Benachteiligungen im Job verbreitet: Fast die Hälfte der Befragten (48,9 Prozent), die Diskriminierung erlebt haben, berichten von Benachteiligung im Arbeitsleben.

Für die Studie wurden eine repräsentative Umfrage des Bielefelder Forschungsinstituts SOKO-Institut für Sozialforschung und Kommunikation und eine Betroffenenbefragung mit über 18.000 Teilnehmern ausgewertet. Die Befragung ist die größte, die es bislang in Deutschland zu diesem Thema gegeben hat. Sie wurde gemeinsam mit dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung der Berliner Humboldt-Universität durchgeführt.

Dazu sagte Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen: „Insgesamt 7,9 Prozent der Bevölkerung berichten von Diskriminierung wegen einer Behinderung oder Beeinträchtigung. Und von den Menschen, die eine Behinderung oder Beeinträchtigung haben, erlebte knapp ein Viertel (24,4 Prozent) in den vergangenen 24 Monaten Diskriminierung. Von einer inklusiven Gesellschaft sind wir leider noch weit entfernt.“

Diskriminierung kommt in allen Lebensbereichen vor, besonders häufig jedoch beim Zugang zu Beschäftigung und am Arbeitsplatz. Von Benachteiligungen hier berichteten fast die Hälfte (48,9 Prozent) der Menschen, die in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung erlebt haben. Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen wiederum gaben häufiger als andere Diskriminierungserfahrungen im Gesundheits- und Pflegebereich an.

Die Beauftragte betonte: „Viele Menschen diskriminieren andere, weil sie die Welt nur nach ihren eigenen Maßstäben beurteilen, statt sich in die Lage ihres Gegenübers zu versetzen. Ich wünsche mir mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander.“ Dabei sollten auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen unterstützen. So müssten das überarbeitete Behindertengleichstellungsgesetz und das gerade entstehende Bundesteilhabegesetz dabei helfen, selbstverständliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen.

Die erhobenen Daten sind aufgrund des enormen Datenvolumens noch nicht vollständig ausgewertet. Ausführlicher gehen sie in den Bericht an den Deutschen Bundestag ein, den die Antidiskriminierungsstelle 2017 gemeinsam mit den Beauftragten der Bundesregierung vorlegen wird. In dem Bericht werden auch Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis formuliert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.antidiskriminierungsstelle.de